

Die Heimat Österreichischer Demokratie
Das Parlament am Ring zählt zweifellos zu den Hauptwerken von Theophil Hansen und ist – mit Pallas Athene als Symbol – Zentrum des demokratischen Österreich. Und es setzt auch seit dem Umbau der Rampe und der Schaffung eines neuen offenen Besucherzentrums vor mehr als 2 Jahren ein deutlich demokratisches Signal an die Bevölkerung. » weiter

Es ist ein offenes Haus, zugänglich für jeden Österreicher. Der Publikumsandrang den das neue Besucherzentrum auslöste, ist Beweis für die Richtigkeit des Signals, das noch unter dem damaligen Parlamentspräsidenten und nunmehrigen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer gesetzt wurde.
Als Vorläufer des heutigen Parlamentsgebäudes diente zunächst ein provisorisches Abgeordnetenhaus in der Währinger Straße 2-6 des Architekten Ferdinand Fellner. Nach dem Beginn der Arbeiten am 12. März 1861 wurde das Gebäude innerhalb von nur sechs Wochen fertiggestellt und war am 25. April bereits schlüsselfertig. Die Arbeiten wurden auch in der Nacht bei Fackelbeleuchtung ausgeführt. Die Holzkonstruktion von Gebäude und Dachstuhl war bereits auf dem Bauplatz des Zimmerers Jakob Fellner in der Alserbachstraße 22 vorgefertigt worden.
An der Baustelle selbst arbeiteten etwa 500 Menschen, die durch eine ähnlich große Zahl von Arbeitern des Baunebengewerbes wie Tischler, Schlosser und Spengler ergänzt wurden. In seiner Grundstruktur nahm das Gebäude bereits die Struktur des späteren Parlamentsgebäudes vorweg. Über eine breite Rampe gelangte man in die Vorhalle und weiter in den Sitzungssaal. Darüber befand sich die Kaiserloge. 1861 wurde das Provisorium eröffnet, das nach seinem Vorsitzenden Anton von Schmerling bald „Schmerlingtheater“ genannt wurde. Bis zur Fertigstellung des eigentlichen Parlamentsgebäudes im Jahr 1884 wurde das „Schmerlingtheater“ schließlich als Abgeordnetenhaus genutzt.
Das heutige Parlamentsgebäude wurde 1873-1884 von Theophil von Hansen als Sitz des Reichsrats erbaut. Es hat zwei deutlich voneinander abgesetzte Hälften, die der damaligen Zweiteilung des Reichsrates in Herrenhaus und Abgeordnetenhaus entsprechen, ursprünglich waren sogar zwei separate Gebäude vorgesehen gewesen.
Der offizielle Name war „Reichratsgebäude“, der Name „Parlament“ war aber schon von Anfang an in Gebrauch. 1918 wurde auf der 4 m hohen Rampe die Erste Republik Österreich ausgerufen und das Gebäude mit unverändertem Giebel – er ist mit den Symbolen der 17 Kronländer der Monarchie geschmückt – übernommen. An den unteren Enden der Auffahrtsrampe befinden sich die Bronzestatuen von Rossbändigern als Symbol der Unterdrückung von Leidenschaften, was die Voraussetzung für eine konstruktive parlamentarische Zusammenarbeit ist.
Die vier Bronzeplastiken wurden von dem Bildhauer J. Lax entworfen und in der Kaiserlich Königlichen Kunst-Erzgießerei 1897 und 1900 gegossen. Der Pallas-Athene-Brunnen vor dem Parlament wurde erst zwischen 1893 und 1902 von Carl Kundmann erbaut. Allegorisch stellen die vier liegenden Figuren die wichtigsten Flüsse der Monarchie dar: Donau und Inn vorne, Elbe und Moldau hinten. Darüber stellen die Frauenfiguren die gesetzgebende und die vollziehende Gewalt dar, überragt von der Göttin der Weisheit, Pallas Athene, auf der Säule. Sie hält in der linken Hand einen Speer, in der rechten die Nike. Böse Zungen behaupten, die Weisheit stehe draußen und es bliebe keine mehr für die Politiker.
Der heutige Sitzungssaal des Nationalrates befindet sich an Stelle des früheren Sitzungssaales des Herrenhauses, der 1945 durch Bombentreffer zerstört und danach völlig neu aufgebaut wurde. Der 1956 fertiggestellte neue Sitzungssaal ist ein typisches Beispiel der Architektur der 1950er Jahre und ist bis auf einen in Stahl getriebenen Bundesadler von Rudolf Hoflehner weitgehend schmucklos. Hinter dem Rednerpult befindet sich die Regierungsbank, die aber meist nur bei wichtigen Anlässen wie der Regierungserklärung oder der Budgetrede vollständig besetzt ist.
Der historische Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses wird heute nur noch für die Sitzungen der Bundesversammlung anlässlich der Angelobung des Bundespräsidenten genutzt.
Seit Oktober 2005 kann das Parlament von der Ringstraßenseite durch ein neues Besucherzentrum betreten werden, das im Rahmen einer Generalsanierung neu geschaffen wurde.
Der Bau des neuen Besucherzentrums des Parlaments hängt eng mit der Generalsanierung der Parlamentsrampe zusammen. Materialabnützung, Witterungseinflüsse und die undichte Brunnenanlage vor dem Parlamentsgebäude hatten der Rampe so stark zugesetzt, dass sie, um einem drohenden Einsturz zuvorzukommen, fast vollständig abgetragen und neu errichtet werden musste. Im Zuge dieser dringend notwendigen Sanierungsarbeiten wurde neuer Raum unter der Rampe geschaffen. Dort befindet sich nunmehr unter anderem ein modernes Besucherzentrum.
Insgesamt nahmen die umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten mehr als eineinhalb Jahre in Anspruch. Baubeginn war im Frühjahr 2004. Schritt für Schritt wurde die Parlamentsrampe abgerissen. Dabei wurde die Steinverkleidung gewissenhaft nummeriert, um sie später wieder originalgetreu anbringen zu können.
Bereits zuvor ging man daran, die im Rampenbereich befindliche Lüftungsanlage und andere technische Einrichtungen in das Gebäudeinnere zu verlegen. Gleichzeitig wurden die auf der Rampe sitzenden steinernen Geschichtsschreiber und die in Bronze gegossenen Rossebändiger demontiert und in Spezialwerkstätten zur Restaurierung gebracht.
Um zusätzlichen Raum zu gewinnen, weiteten Bagger den Hohlraum unter der Parlamentsrampe aus. Dort wo früher feuchte Ziegelgewölbe waren und sich aufgrund der undichten Brunnenanlage erste Tropfsteine bildeten, erstrecken sich nun – in mehreren Ebenen – auf beinahe 7.000 m2 das neue Besucherzentrum, ein Tiefspeicher für die Parlamentsbibliothek, ein neues Stadtstudio des ORF und weitere Medien-Räume.
Neben dem neuen Aufbau der Parlamentsrampe waren auch die möglichst originalgetreue Wiederherstellung des Parlamentsvorplatzes, die Abdichtung der Brunnenanlage – zuletzt gingen wöchentlich durchschnittlich 8.000 Liter Wasser verloren – und die Restaurierung der Pallas Athene Teil des Gesamtprojekts. Die 5,5m hohe Göttin der Weisheit strahlt nach ihrer Verjüngungskur nunmehr wieder in altem Glanz.
Sämtliche Sanierungs- und Umbauarbeiten erfolgten in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt. Dieses erteilte auch die Genehmigung für den Bau eines neuen Zentraleingangs unter der Parlamentsrampe. Ab sofort können Besucherinnen und Besucher das Parlament über Glastüren direkt hinter der Statue der Pallas Athene betreten.
Da größtmögliche Information und Transparenz wichtige Leitlinien des Bauprojekts waren, konnten Passantinnen und Passanten die Bauarbeiten durch Sichtfenster in der Baustelleneinfriedung mitverfolgen. Die Großbaustelle am Ring mutierte so im Laufe der Zeit zu einer Touristenattraktion.
Verantwortlich für die Generalsanierung zeichnete der Architekt Herbert Beier, die Idee für den neuen Zentraleingang kam vom Architektenteam Geiswinkler & Geiswinkler. Sie wurden als Sieger eines Architekturwettbewerbs auch mit der Innenraumgestaltung beauftragt.
Das multimediale Informationsangebot des Besucherzentrums wurde in Zusammenarbeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Parlamentsdirektion, den Kuratoren Ernst Bruckmüller und Oliver Rathkolb sowie der Firma Checkpointmedia entwickelt.
Geschichte und Architektur der Heimat der Wiener Philharmoniker
Eines jener Gebäude, das am stärksten an Theophil Hansen erinnert, und das weltweit auch die meisten Menschen – zumindest von innen – kennen, ist der Musikverein, in dem jeden 1. Jänner das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker stattfindet, das von einem Millionenpublikum live mitverfolgt wird und dessen DVD-Mitschnitte bereits wenige tage nach der Aufführung international mit Platinstatus verkauft werden. » weiter

1812 wurde die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien von Joseph von Sonnleithner gegründet. Ab 1831 veranstaltete sie Konzerte in einem kleinen Saal am Tuchlauben, der sich mit nur 700 Sitzplätzen bald als zu klein erwies. 1863 schenkte Kaiser Franz Joseph der Gesellschaft das Areal gegenüber der Karlskirche. Mit der Planung wurde der klassizistische Architekt Theophil von Hansen beauftragt. Es sollten zwei Säle werden, ein großer für Orchester- und ein kleiner für Kammermusikkonzerte.
Das Haus wurde am 6. Januar 1870 mit einem feierlichen Konzert eröffnet, und die Kritik lobte sogleich einhellig die grandiose Akustik des goldenen Saales, dessen Ruhm sich in kurzer Zeit in der ganzen Welt verbreitete. Auch der kleine Saal, der 1937 nach Johannes Brahms benannt wurde, erhielt bald den Ruf, ein idealer Ort für Kammermusik zu sein.
Im Jahr 2002 wurden vier kleinere, unterirdische Säle eröffnet, die für Proben, Konferenzen, Workshops oder Empfänge konzipiert sind und für größtmögliche Flexibilität in der Nutzung mit modernster Technik ausgestattet wurden. Ursprünglich hätte diese Erweiterung vom amerikanischen Musikmäzen Alberto Vilar finanziert werden sollen. Nachdem dieser abgesprungen war, half der austro-kanadische Industrielle Frank Stronach aus.
Der Musikverein ist im historisierendem Stil, nach Vorbildern aus der griechischen Antike gebaut: Säulen, Karyatiden und Giebel-Reliefs lassen die Assoziation zu, hier sei ein Tempel für die Musik errichtet worden.
Die vier neuen Säle im Keller des Hauses wurden vom Architekten Wilhelm Holzbauer geplant und nach dem jeweils dominanten Grundbaustoff Glas, Metall, Stein und Holz benannt
Theophil Hansen machte sich 1864 mit Feuereifer ans Werk. Die Konkurrenz zur Hofoper beflügelte seine Phantasie und bestärkte ihn auf seinem Weg zu einem neuen Stil, hin zum „strengen Historismus“. Anders als die Architekten des frühen, romantischen Historismus – unter ihnen Sicardsburg und van der Nüll – setzte er sich mit der Baukunst der Hochrenaissance auseinander. Und konsequent ging er weiter, ließ sich von der „Neorenaissance“ zurück zur klassischen Antike führen.
Hansen war Verfechter einer – wie er selbst gern sagte – „griechischen Renaissance“. Im Musikvereinsgebäude ist Hansens Philhellinismus auf Schritt und Tritt zu sehen.
Die Karyatiden im Großen Musikvereinssaal, die ionischen Säulen und das Tempeldach im Brahms-Saal, Apollo und die Musen als Blickfang am Plafond des Großen Musikvereinssaales und Orpheus auf dem Giebelfeld der Frontfassade – das alles sind griechische Reminiszenzen wie die Farbgebung des Hauses, ein vollendetes Beispiel antikisierender Polychromie.
Für die Aufführung „classischer Werke“ hatte Hansen ein wahrhaft klassisches Ambiente geschaffen. Die Musikfreunde konnten stolz sein auf ihr neues Haus. Mit feierlicher Freude formulierten sie 1870, drei Jahre nach dem ersten Spatenstich, die Urkunde zur usste steinlegung:
„Der Tonkunst in Schule und Meisterschaft geweiht, soll dies Haus sein und bleiben: ein Kunstwerk an sich, eine Heimat der Musik, eine Zierde der Stadt und des Reiches.“
Der Goldene Saal mit der goldenen Akustik
Der Goldene Saal wird bis heute von allen Musikern und Musikexperten als der Konzertsaal mit der besten Akustik überhaupt bezeichnet. Woran das liegt, weiß niemand exakt zu sagen. Es ist die Kombination aus unzähligen Faktoren zu denen Theophil Hansen selbst ein begeisterter Musiker, vieles beigetragen hat. » weiter

Der Große Musikvereinssaal, exakt 48,80 Meter lang, 19,10 Meter breit und 17,75 Meter hoch, verbindet die in sich ruhende, stabile Grundform eines Quaders mit belebenden Details. Die Wände und die Decke sind rhythmisch gegliedert, Formen und Farben gehen ein spannungsvolles Wechselspiel ein. Die von August Eisenmenger geschaffenen Deckengemälde - Apollo und die neun Musen, auf Nebenfeldern von Genien umschwebt - setzen mit ihrer blauen Grundfarbe einen dynamischen Kontrapunkt zum vorherrschenden Goldton des Saales.
Einen weiteren, nicht weniger reizvollen Gegenpol schafft das schlichte Weiß der von Franz Melnitzky angefertigten Plastiken. Die Paare weiblicher Figuren, lässig-elegant über die Dachvorsprünge der Balkontüren und der Orgel hingegossen, korrespondieren wieder bestens mit den streng aufrecht stehenden Karyatiden im Parterre - feminine Variationen im historistischen Spiel des Großen Saales. Dazwischen nimmt die Tonkunst konkrete Gestalt an:
Auf Sockeln stehen die Marmorbüsten berühmter Komponisten der Vergangenheit (in die illustre Galerie wurden nur Meister aufgenommen, die 1870 schon verstorben waren). Darüber hinweg zieht sich die Reihe der Bogenfenster. Auch das Tageslicht spielt so seinen Part in Hansens Symphonie der Farben.
Jenseits aller künstlerischen Details zeichnet den Großen Musikvereinssaal vor allem eines aus: Seine Ästhetik vollendet, was schon den Gründervätern als Idee des Musikvereins vorschwebte. Denn dieser Saal, in dem jeder Punkt gleich wichtig und gleich günstig ist, grenzt niemanden aus, sondern schafft Verbindungen. Mehr als zweitausend Menschen - 1744 auf den Sitzplätzen und 300 auf den Stehplätzen - finden so zu einer Gemeinschaft zusammen.
"So hoch auch die Erwartungen gehen mochten, so wurden sie doch von dem ersten Eindruck des Saales überboten, der an architektonischer Schönheit und stilvoller Pracht einzig in seiner Art dasteht." So schrieb die Presse über die Eröffnung des neuen Musikvereinsgebäudes und das erste Konzerte im Großen Musikvereinssaal am 6. Januar 1870.
Der Eindruck muss überwältigend gewesen sein - so überwältigend, dass Wiens Kritikerpapst Eduard Hanslick irritiert die Frage aufwarf, ob dieser Große Musikvereinssaal "nicht zu glänzend und prachtvoll sei für einen Concertsaal". "Von allen Seiten quellen Gold und Farben ..."
Die festliche Stimmung dieses Saales werfe alles ab, "was an das alltägliche Leben erinnert", schrieb denn auch ein anderer Wiener Kritiker, Carl Eduard Schelle. Der Große Musikvereinssaal, meinte er, biete nicht nur das ideale Ambiente für Musik, sondern sei selbst Musik:
Der goldene Klang im Goldenen Saal
"Wenn es nach dem Großen Musikvereinssaal ginge, hätte man das Mikrofon nicht zu erfinden brauchen", schrieb Hans Weigel zum 100. Geburtstag des Hauses. Was ist es, was die Musik im Großen Musikvereinssaal so schwingen läßt? Worin liegt es, das Geheimnis des Goldenen Klangs im Goldenen Saal?
"Zum Teil", meinte der Wiener Kritiker Theodor Helm schon nach dem Eröffnungskonzert, "ist dieser faktische Erfolg reine Glücksache (leider lässt sich die Akustik noch immer nicht genau vorhersagen oder berechnen), andrerseits das unleugbare Verdienst des trefflichen Architekten Hansen ..." Helm lag mit dieser Feststellung goldrichtig.
Denn tatsächlich sind die hervorragenden Klangeigenschaften des Großen Musikvereinssaales nicht das Ergebnis strenger Empirie, wurden doch wissenschaftliche Untersuchungen zur Akustik erst Jahrzehnte später systematisch angestellt.
Entspricht schon die Quaderform des Saales der akustisch besten Grundstruktur eines Konzertsaals, so sorgen die raumgliedernden Elemente - Kassettendecke, Balkone, Karyatiden - für eine optimale Streuung der Schallwellen.
Weitere klangfreundliche Details kommen hinzu: Ein Hohlraum unter dem hölzernen Boden sorgt - ähnlich wie bei einer Geige - für einen resonierenden Untergrund, und auch die aus Holz konstruierte Decke, die nicht einfach aufliegt, sondern am Dachstuhl aufhängt, lässt den Klang im Saal vorteilhaft schwingen. Über all diese Dinge machen sich die Fachleute bis heute ihre Gedanken.
Noch immer ist der Goldene Saal ein Mekka der Akustiker, die aus aller Welt hierher pilgern. Denn wo sonst ließe sich die magische Verbindung von Klang und Raum besser studieren als im Großen Musikvereinssaal?
Ein im 2.Weltkrieg zerstörter Ringstraßenbau
Der Heinrichshof, heute als „Opernringhof“ ein eher hässliches Gebäude der Nachkriegszeit, ohne Charme und Charakter, war ein weiteres typisches Ringstraßengebäude, das von Theophil Hansen errichtet wurde. Es steht in seiner Geschichte für drei erinnerungswürdige Momente: Hier war das berühmte Café Herrenhof, das Literaten Café, das Friedrich Torberg in seinen diversen Büchern, vor allem in der „Tante Jolesch“ in Dutzenden Anekdoten beschreibt. » weiter

Ein Hof des Schreckens
Hier befand sich auch eine der NS-Zentralen, die unter anderem für die Deportation der Juden und rassische Verfolgungen zuständig waren. Auch aus diesem Grund war der Heinrichshof Ziel der alliierten Bombenangriffe des 12. März 1945. Dass bei diesen Bombenangriffen auch die Staatoper und deren nahe liegenden Gebäude zerstört und teilweise stark beschädigt wurden kann man heute als Kolateralschäden bezeichnen.
Der Heinrichshof und die Geschichte
Der Heinrichshof (eigentlich Heinrichhof) war ein dominantes Wiener Ringstraßengebäude, das im Jahr 1945 bei alliierten Bombenangriffen teilweise zerstört und nach längeren Diskussionen um einen möglichen Wiederaufbau in den 1950er Jahren abgerissen wurde.
Der Heinrichshof wurde vom Wiener Ziegelindustriellen Heinrich von Drasche-Wartinberg als Nobel-Zinshaus in Auftrag gegeben und 1861 bis 1863 errichtet. Als Architekt fungierte Theophil von Hansen, ein Däne, der auch einige andere noch bestehende Bauwerke im Bereich der Ringstraße, etwa die Börse, das Parlament und das Musikvereinsgebäude errichtete. Der Heinrichshof stand direkt gegenüber der Wiener Staatsoper. Im Erdgeschoss war das damals bekannte Café Heinrichshof untergebracht. An dieser Adresse wohnte unter anderem auch Anton Bruckner.
Während des Zweiten Weltkrieges waren hier einige NS-Dienststellen untergebracht. Beim amerikanischen Bombenangriff am 12. März 1945, der auch an anderen Gebäuden in dem Bereich wie dem Kunsthistorischen Museum oder dem Burgtheater starke Schäden anrichtete, wurden größere Teile des Heinrichshofs zerstört und die Staatsoper brannte ab.
Am 27. April 1945 brannten Teile des Gebäudes aus vermuteter Brandstiftung ab. Größere Teile, etwa der Bereich Elisabethstraße 2 und Teile der Front zur Kärntner Straße (mit an die 20 Mietern) blieben aber weitestgehend intakt. Mit Datum 12. August 1949 erging an die Eigentümer allerdings ein Abbruchbescheid, und innerhalb der Eigentümerfamilie brachen Differenzen bezüglich eines Erhaltes oder Abrisses des Gebäudes aus. Aus denkmalpflegerischer Sicht erschien ein Erhalt des Gebäudes, das als "schönstes Zinshaus von Wien" galt, wünschenswert, allerdings sprachen die exzellente Lage und die bessere kommerzielle Verwertbarkeit für einen Neubau. Am 3. Juli 1954 erging eine Abbruchbewilligung.
Im Jahr 1955 wurde an derselben Stelle nach Plänen der Architekten Appel, Lippert und Obiditsch der Opernringhof gebaut.
Der Sitz der Casinos Austria
Das Palais Ephrussi ist ein interessanter Bau von Theophil Hansen, weil er indirekt an seine griechische Vergangenheit und Tätigkeit als Architekt des Zappeion erinnert. Und an „Spiele“. Ein aus Griechenland stammender Bankier namens Ephrussi, der mit Hansen die glühende Verehrung der Antike teilte, beauftragte den Bau. Heute sind dort die Casinos Austria beheimatet. Von den Olympischen Spielen zum Glückspielmonopol zieht sich der Bogen. » weiter

Das griechische Erbe und die heutigen Casinos Austria
Der griechische Bankier Ignaz Ritter von Ephrussi lies sich in den Jahren 1872/73 vom Ringstrassenbaumeister Theophil Hansen am Schottentor ein repräsentatives Palais errichten. Das eigentliche Palais ist jedoch nur ein Teil des gesamten einheitlichen Komplexes, welcher schlussendlich entstand, denn die andere Hälfte des Grundstückes gehörte jemand anderem.
Die beiden Eigentümer entschlossen sich, die jeweiligen Gebäude zu vereinen und ihnen eine einheitliche Fassade zugeben, obwohl die andere Hälfte nicht von Theophil Hansen geplant und gebaut wurde, sondern von einem anderen Architekten. Ephrussi hatte genaue Vorstellungen von seinem Palais und schrieb diese dem Baumeister vor.
So musste das Erdgeschoss für lukrative Geschäfte gebaut werden, und die erste Etage sollte die Wohnräume für den Bauherrn enthalten, in die eine repräsentative Treppe führt, welche ausschließlich vom Hausherr benutzt werden durfte.
Für die oberen Geschosse wurde eine separate Treppe eingebaut. Kurz vor der Erbauung des Palais Ephrussi war der alte Basteigraben aufgefüllt worden, was eine besonders tiefe Fundamentlegung für den riesigen Gebäudekomplex erforderte. Es entstanden dadurch zwei Kellergeschosse.
Heute ist das Palais Ephrussi Sitz der Casinos Austria AG und beherbergt mehrere Geschäfte im Erdgeschoss. Das Gebäude erscheint horizontal dreiteilig. So werden das rustifizierte Erdgeschoss und die darüber liegende Mezzaninetage durch ein Gesims von den beiden Hauptetagen getrennt. Diese sind hervorgehoben durch rote Klinkerwände und Pilastergliederung. Über den Fenstern der Beletage sind Dreiecksgiebel angebracht. Ein weiteres umlaufendes Gesims trennt die Hauptetagen vom Attikageschoss, welches von den markanten turmartigen Eckrisaliten quadratischen Grundrisses überragt wird. Das Dachgesims tragen zahlreiche Karyatiden rund um das Gebäude. Wie für Hansen üblich, ist das Innere des Palais, davon besonders die Beletage, reich ausgeschmückt mit Kassettendecken, Kristallleuchter und reichen Wandvertäfelungen. Die Gemälde sind Werke von Christian Griepenkerl.
Ein bereits revitalisiertes Gebäude Theophil Hansens
Das Palais Epstein, das bereits in den ersten Jahren nach dem 1. Weltkrieg eine bedeutende Rolle spielte – von hier aus ging die große Wiener Schul- und Bildungsinitiative aus – war in den vergangenen Jahren permanent im Fokus der öffentlichen Diskussion. » weiter

Ein versäumtes Haus der Geschichte?
Ursprünglich sollte es als „Haus der Geschichte Österreichs“ adaptiert werden, schlussendlich aber hat das Österreichische Patentamt hier eine Dependance für den Bundesrat eingerichtet, in unmittelbarer Nähe des ebenfalls von Theophil Hansen liegenden Parlaments- und Regierungsgebäudes, das vor kurzem ebenfalls saniert wurde: mit einem neuen Publikumsraum.
Die Geschichte des Palais Epstein
Im Auftrag des aus Prag stammenden jüdischen Bankiers Gustav Ritter von Epstein wurde das Palais Epstein im historistischen Stil der Neorenaissance zwischen 1868 und 1871 gebaut. Als Bauleiter war der junge Otto Wagner tätig. Im Erdgeschoss wurden die Bankräume eingerichtet, in der darüber liegenden Beletage die prunkvollen Wohnräume der Epsteins mit Details wie in die Wände versenkbaren Schiebetüren zwischen den Salons.
Die getäfelten Teile der Stiegenhauswände haben eine Oberfläche aus Stucco Lustro (ein u.a. mit Wachs hergestellter Marmor täuschend imitierendender Stuck mit einer Tradition über Venedig bis zum antiken Pompeji), der bis heute auch viele Räume des Reichsrats- bzw. Parlamentsgebäudes kennzeichnet). An Stelle des Epstein hätte ursprünglich das Adelige Casino entstehen sollen, doch der hohe Preis werhinderte dieses Projekt – das Grundstück war wegen seiner Lage zwischen Hofburg und anderen kaiserlichen Bauten das damals teuerste an der Ringstraße, und nur für den Bankier finanzierbar.
Im Jahr 1873 musste Epstein sein Palais aber als Folge des Börsenkrachs verkaufen, um den Konkurs der Bank abzuwenden. Gekauft wurde es von einer englischen Gasgesellschaft. Im Jahre 1902 gelang es schließlich in Staatsbesitz und wurde zunächst Sitz des Verwaltungsgerichtshofs, 1922 Sitz des Wiener Stadtschulrats. Dazu wurde das Innere des Palais adaptiert, Wanddekorationen wurden dabei verdeckt und blieben so erhalten. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde es Sitz des Bauamtes der Reichsstatthalterei. In dieser Zeit verlor das Gebäude sehr viel an noch vorhandenen jüdischen Einrichtungsgegenständen und Einbauten.
Nach dem Krieg wurde es von den Sowjets als Zentralkommandatur verwendet. Erst nach dem Staatsvertrag 1955 wurde es kurz als Dependance der Akademie für Musik und bildende Kunst genutzt und später wieder Sitz des Stadtschulrats. Als dieser im Jahr 2000 auszog, wurde es von Grund auf renoviert und vor allem die Beletage in den Originalzustand versetzt. Heute dient es als Nebengebäude des Parlaments.
Das prachtvolle Ringstraßenpalais von Theophil Hansen, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Parlament gelegen, musste nicht nur behutsam restauriert, sondern auch für eine zeitgemäße Nutzung durch das Parlament adaptiert werden. Nicht zuletzt dank des optimalen Architektenteams Georg Töpfer und Alexander van der Donk sowie der äußerst konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt und der Akademie der bildenden Künste konnte diese heikle und anspruchsvolle Aufgabe zur Zufriedenheit aller bestens gelöst werden.
Die Sanierungs- und Umbauarbeiten des Palais Epstein stellten ein kunsthistorisches und zeitgeschichtliches Abenteuer voller Überraschungen dar, an dem alle Beteiligten ausnahmslos mit Begeisterung und enormem Engagement teilnahmen
Es entstanden moderne und funktionale Arbeitsplätze für Abgeordnete zum Nationalrat und Mitglieder des Bundesrates und deren Mitarbeiter. Im Kern bestand die Wettbewerbsaufgabe darin, eine Symbiose zwischen Denkmalschutz und Funktionalanforderung zu finden. Das Ergebnis sollte zeitgemäß in der Architektursprache, angemessen für die repräsentative Demokratie und mit dem Bundesdenkmalamt umsetzbar sein.
Die Architekten über den Bau
Grundsätzlich war es für uns wundervoll die Möglichkeit zu bekommen, in ein von Theophil Hansen geplantes und von Otto Wagner in der Bauphase beaufsichtigtes Haus massiv eingreifen zu dürfen. Die Schwierigkeit bestand darin, einen völlig neuen Bauteil in den wertvollen Bestand behutsam einzufügen. Unsere Aufgabe war es also, das bestehende Palais für die neue Nutzung optimal zu adaptieren, die innere Struktur dabei zu erhalten und das Ensemble durch die neuen geforderten Funktionen zu ergänzen, ohne den Charakter des Bestandes maßgeblich zu beeinflussen. (...) Wir haben im Zuge der Umbauarbeiten und der Restaurierung natürlich Geschichte entfernt, doch gleichzeitig Geschichte wieder aufgedeckt – dies alles geschah selbstverständlich nach sorgfältigen wissenschaftlichen Untersuchungen.
Unser Dank geht an alle daran beteiligten Wissenschaftler, Restauratoren und nicht zuletzt die Verantwortlichen der BIG, mit denen wir dieses Abenteuer gemeinsam vollendet haben.
DI Georg Töpfer
DI Alexander van der Donk
Restaurierungsarbeiten
Die Konservierung und Restaurierung der Innenräume sowie der Fassade des Palais Epstein musste naturgemäß mit den Umbauarbeiten Hand in Hand gehen. Dies konnte nur aufgrund einer intensiven Analyse des gesamten Gebäudes in der allerersten Projektphase noch vor dem Wettbewerb vernünftig erfolgen.
Die Basis aller Restaurierungsarbeiten stellte ein so genanntes „Raumbuch“ dar. Univ. Prof. Dr. Dipl.-Ing. Wolfgang Baatz, Leiter des Institut für Restaurierung und Konservierung der Akademie der bildenden Künste, war nicht nur für die Erstellung des Raumbuches, sondern auch für die Überwachung der Restaurierung zuständig.
Dass die Arbeiten trotz des knappen Zeitplanes reibungslos verliefen, ist einer präzisen Planung, aber auch dem perfekten Zusammenspiel zwischen allen handelnden Personen zu verdanken.
Zahlen, Daten, Fakten
Baubeginn: Jänner 2004
Fertigstellung: Oktober 2005
Nutzfläche: 4.341 m²
Bruttogeschoßfläche: 7.641 m²
Umbauter Raum: 35.844,0 m³ (exkl. Innenhof); 38.685 m³ (inkl. Innenhof)
(Errichtungs-)Kosten: 19,67 Mio Euro exkl. MWSt.
inkl. Wettbewerb, Bestandsuntersuchung, Befundungen, Kollektor und Restauratoren
Das berühmte rote Haus am Schottenring
Die Börse zählt heute zu den Prachtbauten an der Ringstraße, wenn auch von dem ursprünglichen Gebäude nach einem Brand 1956 nur die ziegelrote Fassade geblieben ist. Sie ist aber auch das Wahrzeichen der Börse im steingrauen Angesicht der Umgebung. » weiter

Eine neue, herrschaftliche Heimat für die Börse
Im März 1870 stellte Kaiser Franz Joseph den Bauplatz am Schottenring zur Verfügung. Das hatte zur Folge, dass alle größeren Banken in der Nähe Gründe erwarben. Ursprünglich stand Heinrich Ferstel als architektonischer Berater der Börsekammer zur Seite. Eine logische Wahl, hatte er doch auch schon das Bank- und Börsegebäudes in der Herrengasse konzipiert und usste über die Bedürfnisse dieser Institution Bescheid. Aber auch Theophil Hansen, der „Parlamentsarchitekt“, wurde um einen Entwurf ersucht. Ferstel war über diese Konkurrenz nicht besonders glücklich. Auch nicht darüber, dass ein anderer die Lorbeeren basierend auf seiner Vorarbeiten ernten sollte. Seine Beschwerden ignorierend, setzte die Börsekammer ein Baukomitée ein, das Hansens Pläne favorisierte.
Eine kurze Partnerschaft
Obwohl die Börsekammer Hansens Plan bereits zugestimmt hatte und zur Finanzierung eine Anleihe aufgelegt worden war, wurde ein weiterer Wettbewerb mit beschränkter Konkurrenz ausgeschrieben. Wiederum siegte das Projekt von Hansen, aber auch ein zweiter Entwurf von Karl Tietz. Beide Architekten wurden mit der Ausführung betraut. Die Zusammenarbeit funktionierte jedoch nur solange, bis Tietz Anfang 1872 geisteskrank wurde und unter Kuratel gestellt werden usste. Hansen kehrte zu seinen ursprünglichen Plänen zurück und vollendete den Bau alleine.
Das Problemkind Börse
Schwierigkeiten begleiteten den Bau von Anfang an.
Nicht nur, dass gewagte Spekulationen in Erwartung der Weltausstellung am 8. Mai 1873 einen Börsenkrach auslösten, der eine schwere Rezession zur Folge hatte. Die exquisite Innenausstattung, Hansens Liebe zum Detail und verspätete Materiallieferungen verzögerten die Fertigstellung immer wieder. Das Baukomitee ordnete wiederholt Einsparungen an und beschloß, den Ausbau des ersten Stocks auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Ausserdem machten sie Hansen persönlich für den Verzug haftbar. Zu allem Überfluß kam es auch noch zu Problemen mit der Heizung. Die stucküberzogenen Wände verloren durch die Feuchtigkeit den Glanz und die Malerei bröckelte teilweise ab.
Ein repräsentativer Prachtbau
Nur Hansens Beharrlichkeit sowie dem Umstand, dass er einen Teil der Baukosten selbst trug, ist es zu verdanken, dass er seine Pläne realisieren konnte.
Die Fassaden gliederte Hansen vertikal wenig zurückhaltend mit Risaliten, wie sie bei der Wende zum Neobarock beliebt wurden und einer Betonung der Mittelachse durch einen mächtigen Portalbau. Der Eingangsbereich wird über die gesamte Höhe der rot vertäfelten Fassade von zwei steinernen Säulenreihen gestützt. Einer ionischen im Parterre und einer korinthischen in der Belle Etage. Im Gesamteindruck wirkt das Gebäude durch die kontrastreiche Gliederung mit hellen Friesen und die auffällige rote Farbe zwar prunkvoll, aber deswegen nicht weniger elegant.
1877 zog das aufstrebende Bürgertum mit seiner Börse in den ziegelroten Neorenaissance-Bau am Ring ein und am 12. März nahm die Börse endlich den Betrieb auf. Bereits zwei Tage später besuchte der Kaiser das festlich geschmückte Haus.
Akademie, Gemäldesammlung und Kupferstichkabinett unter einem Dach
Ein beeindruckender Blick von der Ringstrasse aus: hinter der Flucht einer vorgelagerten Grünflache thront die Akademie der bildenden Künste. Ein rötlich schimmernder Bau mit vier Ecktürmen und zwei Säulenreihen. Neorenaissance im strengen Historismus. » weiter

Bildende Kunst in Wien
Die Akademie der bildenden Künste in Wien wurde 1692 als Privatakademie des Hofkammermalers Peter Strudel gegründet. 1725 erfolgte durch Jacob van Schuppen eine Neugründung als „K.k. Hofakademie der Maler, Bildhauer und Baukunst“. 1772 wurden alle zu dieser Zeit in Wien bestehende Kunstlehranstalten zu einer Akademie der „vereinigten bildenden Künste“ zusammengeschlossen. 1872 erhielt die Akademie Hochschulstatus.
Ein Platz für die neue Akademie
Ein Jahr zuvor, 1871, erteilte die Regierung eine Genehmigung zum Neubau der Akademie in Verbindung mit dem Bau der Ringstraße. Im ursprünglichen Stadterweiterungskonzept war für diese Institution kein Platz vorgesehen, doch mit dem Entschluß, das Parlamentsgebäude auf dem Paradeplatz zu errichten, wurde das Areal am Kalkmarkt an der Ringstraße frei und von Kaiser Franz Josef für den Bau der Akademie zur Verfügung gestellt. Ein Komitée zur Projektausarbeitung wurde ins Leben gerufen, welches den Beschluss fasste, Theophil Hansen den Bau zu übertragen.
Dieser war zum damahligen Zeitpunkt Leiter einer Spezialschule für Architektur an der Akademie.
Das neue Gebäude
1872 wurde mit dem Bau am Kalkmarkt begonnen, die Bauarbeiten dauerten bis 1876. Insgesamt betrug der finanziellen Aufwand 1.200.000 Gulden. Am 1. April 1877 wurde die neue Akademie der bildenden Künste, ein Geviert im streng historischen Stil der italienischen Renaissance mit erhöhten Eckrisaliten, unter Beisein des Kaisers feierlich eröffnet.
Das Echo, das der viergeschössige, rot verklinkerte Bau fand, war geteilt. Bevölkerung und Fachwelt fanden, daß zwar die Einteilung des Innenraumes sehr zweckmäßig gelungen war, die Außenarchitektur missfiel jedoch. Nichtsdestotrotz, oder gerade deswegen, ersuchte Unterrichtsminister Stremayr im März 1877 um eine Auszeichnung für Hansen und dessen Mitarbeiter. Von höchster Stelle wurde den beiden die "Allerhöchste Zufriedenheit" ausgesprochen - zu jener Zeit allerdings eine bedeutungslose Floskel. Bereits 1898, und noch einmal 1910, legte Otto Wagner „zeitgemäßere“ Entwürfe für den Neubau der Akademie auf der Schmelz vor, die aber nicht realisiert wurden.
Die Akademie heute
Heute beherbergt die Akademie neben den akademischen Einrichtungen auch eine Gemäldegalerie.
Ursprünglich als "Gräflich Lambergsche-Gemäldegalerie an der Akademie" eingerichtet und laufend erweitert. Mit circa 250 Gemälden berühmter Meister von der frühen italienischen Tafelmalerei des 14. und 15. Jahrhunderts bis zu Werken aus dem Umkreis der Akademie des 18. und frühen 19. Jahrhundert ist sie Wiens älteste öffentlich zugängliche Bildergalerie. In der Gemäldesammlung befinden sich unter anderem Werke von Bosch, Cranach, Rembrandt, Rubens, Tizian, Murillo und Guardi. Neben der heute nur mehr in Bruchstücken vorhandenen Glyptothek spiegelt besonders das Kupferstichkabinett, eine der bedeutendsten österreichischen Grafiksammlungen, die unmittelbare Verbindung der Akademie mit der Kunst und Kunstpolitik der ehemaligen Donaumonarchie wieder. Ihr Bestand beläuft sich auf ca. 40.000 Zeichnungen, 100.000 Druckgraphiken und an die 20.000 Photographien.
Überblickt wird die Parkanlage vor der Akademie übrigens von Schiller, wenn es auch nur ein steinerner ist, direkt gegenüber des Goethemonumentes. Über die grüne Flucht und die Ringstrasse hinweg scheint dieser so ewige Zwiesprache mit seinem Freund im Geiste zu führen.
Historismus am Geburtsort der Klassik
Theophil Hansen, ursprünglich aus Berlin stammend, war ein glühender Verehrer der griechischen Antike. Das Erechtheion der Perikles-Zeit, die Statuen des Praxiteles, die Fundstücke, die er aus den Museen in Berlin kannte, all das formte auch sein architektonisches Idealbild. Für Theophil Hansen ging ein Lebenstraum in Erfüllung, als er nicht nur in Athen leben, studieren und arbeiten konnte, sondern mit dem Bau eines „neuen Olympia“ beauftragt wurde: Das Zappeion. » weiter

Das Zappeion geriet erst vor wenigen Jahrzehnten wieder in den Mittelpunkt des Weltinteresses. 1979 Griechenland hier seinen Beitritt zur EU. Im Zuge einer Restaurierung ist es heute ein Kongress-Zentrum.
Das Zappeion ist ein klassizistisches Gebäude am südlichen Rand der Athener Innenstadt. Die Errichtung erfolgte zur Erfüllung des Vermächtnisses von Evangelos Zappas, dem Begründer der Olympien (einem Vorläufer der Olympischen Spiele), der nach seinem Tod 1865 den größten Teil seines Vermögens dem Komitee der Olympien unter der Bedingung vermacht hatte, eine geeignete Stätte für die Olympien zu errichten.
Mit Fertigstellung im Jahr 1888 erhielt das Gebäude den Namen seines Mäzenen. Anlässlich der Einweihung im Oktober 1888 wurden auch die vierten Olympien eröffnet.
Von Anfang an war das Zappeion als Multifunktionsgebäude geplant. 1896 wurde es für die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit genutzt, und bei den Olympischen Zwischenspielen 1906 wurde es als erstes Olympisches Dorf genutzt.
1979 wurde hier der Beitritt Griechenlands zur Europäischen Gemeinschaft unterzeichnet.




