Auf Spurensuche einer europäischen Bauidee
Neues Buch zur Ringstraße
Die Wiener Ringstraße als Gesamtkunstwerk entdecken und mit neuen Augen sehen, das möchte die Autorin Mag. Barbara Dmytrasz mit ihrem neuen Buch "Die Ringstraße. Eine europäische Bauidee" bewirken. Die bedeutendste Wiener Prachtstraße spiegelt 150 Jahre wechselvolle Geschichte wider.

Monumentalbauten als Symbol von imperialer Macht, aber auch Ohnmacht. Nach jahrelangen Recherchen erzählt Dmytrasz in themenorientierten Spaziergängen und lädt LeserInnen auf eine faszinierende Spurensuche ein und beschreibt unter anderem auch das Palais Hansen, das die Wien Holding erst vor wenigen Monaten an einen Investorenverband veräußert hat und das generalsaniert wird.
Vom Kaiserforum zur Urania
Die thematischen Spaziergänge nehmen am Kaiserforum, als einem der "Plätze der imperialen Selbstdarstellung", ihren Anfang, begehen literarisch die "Triumphe des liberalen Bürgertums", wie der Universität, dem Parlament oder dem Rathaus und beschäftigen sich mit den Gebäuden der Künste, wie dem Burgtheater, der Staatsoper oder der Secession. Der mit zahlreichen, prachtvollen Fotografien ausgestattete Band widmet sich in einem Kapitel auch den zahlreichen Ringstraßen-Palais, die laut der Autorin den großen Showdown des Adels und des Großbürgertums symbolisieren. Auch den Oppositionsbauen gegen das Kaiserhaus, wie etwa der Urania geht das umfassende Werk nach. Das Buch zeigt nicht nur die jeweilige Geschichte der Bauten auf, sondern setzt sich auch mit archetektonischen Merkmalen und gesellschaftlichen Strömungen detailreich auseinander.
Das Palais Hansen - ein Monumentalbau im Stil der Neorenaissance - gilt auch im Vergleich mit anderen Palais am Ring als einzigartig. Als in sich geschlossenes Ensemble mit drei Innenhöfen zählt es zu den wichtigsten Bauten des Wiener Historismus und steht unter Denkmalschutz. Auch die Dimensionen des Gebäudes sind enorm bei einer Bruttogeschossfläche von 23.000 Quadratmetern. Ursprünglich war das Palais als Großhotel konzipiert, es wurde jedoch wenig später zum Wohnhaus umgebaut und Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich zum Amtsgebäude. Hier waren Jahrzehnte lang städtische Verwaltungsdienststellen vor allem aus dem Gesundheitswesen untergebracht, vom Gesundheitsamt bis zum Krankenanstaltenverbund.
Die Autorin
Mag. Barbara Dmytrasz ist studierte Historikerin, Anglistin und Amerikanistin. Sie ist die Leiterin des internationalen Forschungsprojektes "Für Geschichtsbewusstsein" in Wien, Erasmus-Preisträgerin 2006 und Herausgeberin des Medienkoffers zur Wiener Stadtplanung (gemeinsam mit der Stadt Wien). Darüber hinaus ist sie Expertin für Architekturgeschichte mit besonderem Augenmerk auf soziale Aspekte und seit über 20 Jahren in der LehrerInnenfortbildung tätig.
Barbara Dmytrasz, Amalthea Signum Verlag, Die Ringstraße. Eine europäische Bauidee, 240 Seiten mit Fotos von Peter Szabo, Wien 2008, 34.90 Euro,
www.amalthea.at, ISBN-13: 978-3-85002-588-1.