

Ein Platz für die Gemeinde Wien
Das Wiener Rathaus ist Sitz des Wiener Bürgermeisters sowie des Gemeinderates. Die Gemeinderäte tagen ebenfalls in der Funktion des Landtages. » weiter

Der historistische Bau wurde von 1872 bis 1883 von Friedrich von Schmidt errichtet. Die Rathausfassade ist ein herausragendes Beispiel für einen Profanbau der Neugotik. Das Äußere, vor allem der 105 Meter hohe Turm, ist von der Tradition flämischer Rathäuser der Gotik inspiriert, um äußerlich an die mittelalterliche Tradition städtischer Freiheit anzuknüpfen. Der Grundriss mit sieben Höfen folgt eher der Konzeption barocker Paläste. Die Zuordnung des Gesamtgebäudes zur Neugotik ist daher mit Vorsicht zu verwenden und wurde von Schmidt selbst auch abgelehnt. Die Baukosten betrugen 14 Millionen Gulden.
Auf der Gesamtfläche des Rathausplatzes von 113.000 m² nimmt das Rathaus 19.592 m² ein. Das Gebäude ist 152 Meter lang und 127 Meter breit, wobei die 1.575 Räume 2.035 Fenster haben.
Der Festsaal des Rathauses mit Statuen bedeutender Persönlichkeiten Wiens ist der größte Saal an der Wiener Ringstraße. In ihm finden immer wieder wichtige Veranstaltungen - im Jahr etwa 800 -, wie etwa Bälle, statt. Der Life Ball, Europas größte Aids-Benefiz Veranstaltung, wird in einer Vielzahl von Räumen im Rathaus gefeiert.
Auf der Spitze des Turms steht der Rathausmann, eine 3,5 Meter hohe eiserne Gestalt in Form eines Standartenträgers in Rüstung. Sie wurde von Alexander Nehr nach einem Modell von Franz Gastell gestaltet, Vorbild war angeblich die Prunkrüstung Kaiser Maximilians I.
Der Platz vor dem Rathaus, ein Teil des Josefstädter Glacis, diente im 19. Jahrhundert als Paradeplatz und konnte dem Kaiser nur nach langwierigen Interventionen des Bürgermeisters Cajetan Felder 1870 abgerungen werden.
In dem langwierigen Streit zwischen Stadt und Monarchie um die Kosten des Ringstraßenprojekts nahm das Rathaus einen prominenten Platz ein.
Der Rest des Glacis vor dem Rathaus wurde durch den Gartenkünstler Hermann Rudolph Siebeck (1812-1878) als Rathauspark gestaltet, genau gegenüber befindet sich das Burgtheater.
In diesem Park wurden acht Statuen von Persönlichkeiten der österreichischen Geschichte aufgestellt. Sie standen vorher auf der Elisabethbrücke (beim heutigen Karlsplatz) über den Wienfluss, die nach der Flussregulierung 1902 abgerissen wurde. Diese Statuen sind bis 1854 entstanden und stellen die folgenden Persönlichkeiten dar: Heinrich II. Jasomirgott (von Franz Melnitzky), Leopold VI. (Johann Preleuthner), Rudolf IV. (Josef Gasser), Niklas Graf Salm (Mathias Purkartshofer), Rüdiger Graf Starhemberg (Johann Feßler), Johann Bernhard Fischer von Erlach (Josef Cesar), Leopold Karl von Kollonitsch und Joseph von Sonnenfels (J. Gasser). Während der Nazi-Herrschaft wurde die letzte Statue durch die Statue von Christoph Willibald Gluck ersetzt, die heute bei der Karlskirche steht.
Die heiligen Hallen des Theaters in Wien
Das Burgtheater am Dr.-Karl-Lueger-Ring in Wien gilt als eine der bedeutendsten Bühnen Europas und ist das zweitälteste europäische, sowie das größte österreichische Sprechtheater. » weiter

Das „neue“ Burgtheater am Ring gegenüber dem Rathaus wurde im neubarocken Stil von Gottfried Semper (Grundriss) und Karl Freiherr von Hasenauer (Fassade) entworfen, die bereits das Kaiserforum in Wien gemeinsam geplant hatten. Bis zur Eröffnung des neuen Hauses am Ring im Oktober 1888 wurde seit 1748 das ursprüngliche, „alte“ Burgtheater am Michaelerplatz bespielt.
Die Bauarbeiten begannen am 16. Dezember 1874 und zogen sich 14 Jahre hin, in denen sich das Architektenduo zerstritt. Bereits 1876 zog sich Semper auf Grund gesundheitlicher Probleme nach Rom zurück und ließ Hasenauer seine Ideen alleine realisieren, der sich im Streit der Architekten vor allem für ein prachtvoll ausgestaltetes Bauwerk eingesetzt hatte.
Das neue Gebäude wurde dennoch nach dem Vorbild der Dresdener Semperoper erbaut. Über dem Mitteltrakt befindet sich eine Loggia, die von zwei Seitenflügeln eingerahmt wird. Über dem Mittelhaus schmückt eine Statue von Apollon die Fassade, der zwischen den Musen für Drama und Tragödie thront. Über den Haupteingängen befinden sich Friese mit Bacchus und Ariadne. An der Außenfassade rundherum sind Portraitbüsten der Dichter Calderon, Shakespeare, Molière, Schiller, Goethe, Lessing, Halm, Grillparzer, und Hebbel zu bewundern. Die Masken, die ebenfalls hier zu sehen sind, weisen auf das antike Theater hin, außerdem schmücken allegorische Darstellungen die Seitentrakte: Liebe, Hass, Demut, Herrschsucht, Egoismus und Heroismus.
Der bekannte Wiener Maler Gustav Klimt schuf gemeinsam mit seinem Bruder Ernst Klimt und mit Franz Matsch zwischen 1886 und 1888 die Deckengemälde in den beiden Stiegenhäusern des neuen Theaters.
In der Feststiege (Erzherzogstiege) bildete Gustav Klimt die Künstler des antiken Theaters in Taormina auf Sizilien, im Stiegenhaus auf der „Volksgarten“-Seite (Kaiserstiege) das Londoner Globe Theatre und die Schluss-Szene aus William Shakespeares „Romeo und Julia“ nach. Über dem Eingang zum Zuschauerraum ist Der Eingebildete Kranke Molières zu entdecken. Im Hintergrund verewigte sich der Maler in Gesellschaft seiner beiden Kollegen. Kaiser Franz Joseph I. gefielen die Deckengemälde so sehr, dass er den Mitgliedern der Künstlerkompanie von Klimt das Goldene Verdienstkreuz verlieh.
Nachdem am 12. Oktober 1888 die Abschiedsvorstellung am Michaelerplatz stattgefunden hatte, wurde bereits zwei Tage später das neue Theaterhaus mit Grillparzers Esther und Schillers Wallensteins Lager eröffnet. Das Burgtheater wurde zunächst auf Grund seines prachtvollen Aussehens und der technischen Neuerungen wie elektrischer Beleuchtung von den Wienern gut aufgenommen, doch bald wurde Kritik an der schlechten Akustik laut. 1897 erfolgte schließlich ein Umbau des Zuschauerraums, um die Akustikprobleme zu mindern.
Das neue Theater wurde zu einem wichtigen Treffpunkt des Gesellschaftslebens und zählte schon bald zu den „Heiligtümern“ der Wiener. Am 8. Mai 1925 ging das Burgtheater in die österreichische Kriminalchronik ein, als hier der bulgarische Student Mencia Carniciu ein Revolverattentat auf den mazedonischen Bandenführer Todor Panitza verübte.
Im Laufe seiner Geschichte trug das Theater verschiedene Namen, zuerst k.k. Theater nächst der Burg, dann bis 1918 k.k. Hof-Burgtheater und seither Burgtheater. Trotzdem ist die alte Aufschrift K.K. Hofburgtheater über dem Haupteingang immer noch vorhanden. Vor allem in Wien wird es häufig kurz „Die Burg“ genannt, die Ensemblemitglieder werden im gesamten deutschsprachigen Raum ehrfürchtig Burgschauspieler genannt.
Rund um den Maria-Theresien-Platz
Ursprünglich sollten sie Teil eines quer zur Ringstraße angeordneten Kaiserforums als monumentaler Anbau zur Hofburg sein - und die Sammlungen von Kunstwerken und Naturalien der Habsburger beherbergen. Zumindest dieser Plan wurde ausgeführt. » weiter

Aus finanzieller Not und wegen der Wirren des 1.Weltkrieges wurden von dem groß geplanten Kaiserforum nur die Neue Hofburg, Helden- und Maria-Theresien-Platz sowie Kunst- und das Naturhistorische Museum fertig gestellt.
Den Auftrag zum Bau der Museen hatte Kaiser Franz Joseph I. im Zuge der Stadterweiterung im Jahr 1858 gegeben. Mehrere Architekten reichten Entwürfe ein, unter anderem auch Theophil Hansen. Letztendlich entschied man sich für die Pläne von Gottfried Semper und Karl Freiherr von Hasenauer, die zwei äußerlich fast völlig identische Gebäude vorsahen.
Die beiden quer zur Ringstraße gelegenen, den Maria-Theresia-Platz säumenden Museumsbauten wurden im Stil der italienischen Renaissance mit einer etwa 60 Meter hohe Kuppel im Zentrum der Gebäude entworfen. Die Bauzeit war von 1872-1891 und auch im selben Jahr die gemeinsame Eröffnung.
Das Kunsthistorische Museum beherbergt heute Sammlungen der Habsburger, vor allem aus der Portrait- und Harnischsammlung Ferdinands von Tirol, der Sammlung Kaiser Rudolfs II. (deren größter Teil jedoch verstreut ist) und der Gemäldesammlung von Erzherzog Leopold Wilhelm.
Auch in den Ausstellungsräumen des Naturhistorischen Museums befinden sich einige Gemälde – über 100 Ölgemälde berühmter Maler mit Motiven aus der Welt der Wissenschaft. Das Gewicht liegt hier jedoch eindeutig auf der anschaulichen Naturwissenschaft. Mehrere Sammlungen der Habsburger, unter anderem die mineralogische, die botanische, die zoologischen in gleich drei Abteilungen und die prähistorische Sammlung geben ein umfassendes Bild der Naturwissenschaften und der Begeisterung der Habsburger dafür.
Die Kuppel des Naturhistorischen Museums zeigt den griechischen Sonnengott Helios, das Stiegenhaus ist mit den Statuen berühmter Wissenschaftler geschmückt. Die Fassade und die Stuckdekorationen in den Innenräumen sollen die historische Erschließung von Welt und Weltraum zeigen.
Die Heimat Österreichischer Demokratie
Das Parlament am Ring zählt zweifellos zu den Hauptwerken von Theophil Hansen und ist – mit Pallas Athene als Symbol – Zentrum des demokratischen Österreich. Und es setzt auch seit dem Umbau der Rampe und der Schaffung eines neuen offenen Besucherzentrums vor mehr als 2 Jahren ein deutlich demokratisches Signal an die Bevölkerung. » weiter

Es ist ein offenes Haus, zugänglich für jeden Österreicher. Der Publikumsandrang den das neue Besucherzentrum auslöste, ist Beweis für die Richtigkeit des Signals, das noch unter dem damaligen Parlamentspräsidenten und nunmehrigen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer gesetzt wurde.
Als Vorläufer des heutigen Parlamentsgebäudes diente zunächst ein provisorisches Abgeordnetenhaus in der Währinger Straße 2-6 des Architekten Ferdinand Fellner. Nach dem Beginn der Arbeiten am 12. März 1861 wurde das Gebäude innerhalb von nur sechs Wochen fertiggestellt und war am 25. April bereits schlüsselfertig. Die Arbeiten wurden auch in der Nacht bei Fackelbeleuchtung ausgeführt. Die Holzkonstruktion von Gebäude und Dachstuhl war bereits auf dem Bauplatz des Zimmerers Jakob Fellner in der Alserbachstraße 22 vorgefertigt worden.
An der Baustelle selbst arbeiteten etwa 500 Menschen, die durch eine ähnlich große Zahl von Arbeitern des Baunebengewerbes wie Tischler, Schlosser und Spengler ergänzt wurden. In seiner Grundstruktur nahm das Gebäude bereits die Struktur des späteren Parlamentsgebäudes vorweg. Über eine breite Rampe gelangte man in die Vorhalle und weiter in den Sitzungssaal. Darüber befand sich die Kaiserloge. 1861 wurde das Provisorium eröffnet, das nach seinem Vorsitzenden Anton von Schmerling bald „Schmerlingtheater“ genannt wurde. Bis zur Fertigstellung des eigentlichen Parlamentsgebäudes im Jahr 1884 wurde das „Schmerlingtheater“ schließlich als Abgeordnetenhaus genutzt.
Das heutige Parlamentsgebäude wurde 1873-1884 von Theophil von Hansen als Sitz des Reichsrats erbaut. Es hat zwei deutlich voneinander abgesetzte Hälften, die der damaligen Zweiteilung des Reichsrates in Herrenhaus und Abgeordnetenhaus entsprechen, ursprünglich waren sogar zwei separate Gebäude vorgesehen gewesen.
Der offizielle Name war „Reichratsgebäude“, der Name „Parlament“ war aber schon von Anfang an in Gebrauch. 1918 wurde auf der 4 m hohen Rampe die Erste Republik Österreich ausgerufen und das Gebäude mit unverändertem Giebel – er ist mit den Symbolen der 17 Kronländer der Monarchie geschmückt – übernommen. An den unteren Enden der Auffahrtsrampe befinden sich die Bronzestatuen von Rossbändigern als Symbol der Unterdrückung von Leidenschaften, was die Voraussetzung für eine konstruktive parlamentarische Zusammenarbeit ist.
Die vier Bronzeplastiken wurden von dem Bildhauer J. Lax entworfen und in der Kaiserlich Königlichen Kunst-Erzgießerei 1897 und 1900 gegossen. Der Pallas-Athene-Brunnen vor dem Parlament wurde erst zwischen 1893 und 1902 von Carl Kundmann erbaut. Allegorisch stellen die vier liegenden Figuren die wichtigsten Flüsse der Monarchie dar: Donau und Inn vorne, Elbe und Moldau hinten. Darüber stellen die Frauenfiguren die gesetzgebende und die vollziehende Gewalt dar, überragt von der Göttin der Weisheit, Pallas Athene, auf der Säule. Sie hält in der linken Hand einen Speer, in der rechten die Nike. Böse Zungen behaupten, die Weisheit stehe draußen und es bliebe keine mehr für die Politiker.
Der heutige Sitzungssaal des Nationalrates befindet sich an Stelle des früheren Sitzungssaales des Herrenhauses, der 1945 durch Bombentreffer zerstört und danach völlig neu aufgebaut wurde. Der 1956 fertiggestellte neue Sitzungssaal ist ein typisches Beispiel der Architektur der 1950er Jahre und ist bis auf einen in Stahl getriebenen Bundesadler von Rudolf Hoflehner weitgehend schmucklos. Hinter dem Rednerpult befindet sich die Regierungsbank, die aber meist nur bei wichtigen Anlässen wie der Regierungserklärung oder der Budgetrede vollständig besetzt ist.
Der historische Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses wird heute nur noch für die Sitzungen der Bundesversammlung anlässlich der Angelobung des Bundespräsidenten genutzt.
Seit Oktober 2005 kann das Parlament von der Ringstraßenseite durch ein neues Besucherzentrum betreten werden, das im Rahmen einer Generalsanierung neu geschaffen wurde.
Der Bau des neuen Besucherzentrums des Parlaments hängt eng mit der Generalsanierung der Parlamentsrampe zusammen. Materialabnützung, Witterungseinflüsse und die undichte Brunnenanlage vor dem Parlamentsgebäude hatten der Rampe so stark zugesetzt, dass sie, um einem drohenden Einsturz zuvorzukommen, fast vollständig abgetragen und neu errichtet werden musste. Im Zuge dieser dringend notwendigen Sanierungsarbeiten wurde neuer Raum unter der Rampe geschaffen. Dort befindet sich nunmehr unter anderem ein modernes Besucherzentrum.
Insgesamt nahmen die umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten mehr als eineinhalb Jahre in Anspruch. Baubeginn war im Frühjahr 2004. Schritt für Schritt wurde die Parlamentsrampe abgerissen. Dabei wurde die Steinverkleidung gewissenhaft nummeriert, um sie später wieder originalgetreu anbringen zu können.
Bereits zuvor ging man daran, die im Rampenbereich befindliche Lüftungsanlage und andere technische Einrichtungen in das Gebäudeinnere zu verlegen. Gleichzeitig wurden die auf der Rampe sitzenden steinernen Geschichtsschreiber und die in Bronze gegossenen Rossebändiger demontiert und in Spezialwerkstätten zur Restaurierung gebracht.
Um zusätzlichen Raum zu gewinnen, weiteten Bagger den Hohlraum unter der Parlamentsrampe aus. Dort wo früher feuchte Ziegelgewölbe waren und sich aufgrund der undichten Brunnenanlage erste Tropfsteine bildeten, erstrecken sich nun – in mehreren Ebenen – auf beinahe 7.000 m2 das neue Besucherzentrum, ein Tiefspeicher für die Parlamentsbibliothek, ein neues Stadtstudio des ORF und weitere Medien-Räume.
Neben dem neuen Aufbau der Parlamentsrampe waren auch die möglichst originalgetreue Wiederherstellung des Parlamentsvorplatzes, die Abdichtung der Brunnenanlage – zuletzt gingen wöchentlich durchschnittlich 8.000 Liter Wasser verloren – und die Restaurierung der Pallas Athene Teil des Gesamtprojekts. Die 5,5m hohe Göttin der Weisheit strahlt nach ihrer Verjüngungskur nunmehr wieder in altem Glanz.
Sämtliche Sanierungs- und Umbauarbeiten erfolgten in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt. Dieses erteilte auch die Genehmigung für den Bau eines neuen Zentraleingangs unter der Parlamentsrampe. Ab sofort können Besucherinnen und Besucher das Parlament über Glastüren direkt hinter der Statue der Pallas Athene betreten.
Da größtmögliche Information und Transparenz wichtige Leitlinien des Bauprojekts waren, konnten Passantinnen und Passanten die Bauarbeiten durch Sichtfenster in der Baustelleneinfriedung mitverfolgen. Die Großbaustelle am Ring mutierte so im Laufe der Zeit zu einer Touristenattraktion.
Verantwortlich für die Generalsanierung zeichnete der Architekt Herbert Beier, die Idee für den neuen Zentraleingang kam vom Architektenteam Geiswinkler & Geiswinkler. Sie wurden als Sieger eines Architekturwettbewerbs auch mit der Innenraumgestaltung beauftragt.
Das multimediale Informationsangebot des Besucherzentrums wurde in Zusammenarbeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Parlamentsdirektion, den Kuratoren Ernst Bruckmüller und Oliver Rathkolb sowie der Firma Checkpointmedia entwickelt.
Geschichte und Architektur der Heimat der Wiener Philharmoniker
Eines jener Gebäude, das am stärksten an Theophil Hansen erinnert, und das weltweit auch die meisten Menschen – zumindest von innen – kennen, ist der Musikverein, in dem jeden 1. Jänner das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker stattfindet, das von einem Millionenpublikum live mitverfolgt wird und dessen DVD-Mitschnitte bereits wenige tage nach der Aufführung international mit Platinstatus verkauft werden. » weiter

1812 wurde die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien von Joseph von Sonnleithner gegründet. Ab 1831 veranstaltete sie Konzerte in einem kleinen Saal am Tuchlauben, der sich mit nur 700 Sitzplätzen bald als zu klein erwies. 1863 schenkte Kaiser Franz Joseph der Gesellschaft das Areal gegenüber der Karlskirche. Mit der Planung wurde der klassizistische Architekt Theophil von Hansen beauftragt. Es sollten zwei Säle werden, ein großer für Orchester- und ein kleiner für Kammermusikkonzerte.
Das Haus wurde am 6. Januar 1870 mit einem feierlichen Konzert eröffnet, und die Kritik lobte sogleich einhellig die grandiose Akustik des goldenen Saales, dessen Ruhm sich in kurzer Zeit in der ganzen Welt verbreitete. Auch der kleine Saal, der 1937 nach Johannes Brahms benannt wurde, erhielt bald den Ruf, ein idealer Ort für Kammermusik zu sein.
Im Jahr 2002 wurden vier kleinere, unterirdische Säle eröffnet, die für Proben, Konferenzen, Workshops oder Empfänge konzipiert sind und für größtmögliche Flexibilität in der Nutzung mit modernster Technik ausgestattet wurden. Ursprünglich hätte diese Erweiterung vom amerikanischen Musikmäzen Alberto Vilar finanziert werden sollen. Nachdem dieser abgesprungen war, half der austro-kanadische Industrielle Frank Stronach aus.
Der Musikverein ist im historisierendem Stil, nach Vorbildern aus der griechischen Antike gebaut: Säulen, Karyatiden und Giebel-Reliefs lassen die Assoziation zu, hier sei ein Tempel für die Musik errichtet worden.
Die vier neuen Säle im Keller des Hauses wurden vom Architekten Wilhelm Holzbauer geplant und nach dem jeweils dominanten Grundbaustoff Glas, Metall, Stein und Holz benannt
Theophil Hansen machte sich 1864 mit Feuereifer ans Werk. Die Konkurrenz zur Hofoper beflügelte seine Phantasie und bestärkte ihn auf seinem Weg zu einem neuen Stil, hin zum „strengen Historismus“. Anders als die Architekten des frühen, romantischen Historismus – unter ihnen Sicardsburg und van der Nüll – setzte er sich mit der Baukunst der Hochrenaissance auseinander. Und konsequent ging er weiter, ließ sich von der „Neorenaissance“ zurück zur klassischen Antike führen.
Hansen war Verfechter einer – wie er selbst gern sagte – „griechischen Renaissance“. Im Musikvereinsgebäude ist Hansens Philhellinismus auf Schritt und Tritt zu sehen.
Die Karyatiden im Großen Musikvereinssaal, die ionischen Säulen und das Tempeldach im Brahms-Saal, Apollo und die Musen als Blickfang am Plafond des Großen Musikvereinssaales und Orpheus auf dem Giebelfeld der Frontfassade – das alles sind griechische Reminiszenzen wie die Farbgebung des Hauses, ein vollendetes Beispiel antikisierender Polychromie.
Für die Aufführung „classischer Werke“ hatte Hansen ein wahrhaft klassisches Ambiente geschaffen. Die Musikfreunde konnten stolz sein auf ihr neues Haus. Mit feierlicher Freude formulierten sie 1870, drei Jahre nach dem ersten Spatenstich, die Urkunde zur usste steinlegung:
„Der Tonkunst in Schule und Meisterschaft geweiht, soll dies Haus sein und bleiben: ein Kunstwerk an sich, eine Heimat der Musik, eine Zierde der Stadt und des Reiches.“
Das berühmte rote Haus am Schottenring
Die Börse zählt heute zu den Prachtbauten an der Ringstraße, wenn auch von dem ursprünglichen Gebäude nach einem Brand 1956 nur die ziegelrote Fassade geblieben ist. Sie ist aber auch das Wahrzeichen der Börse im steingrauen Angesicht der Umgebung. » weiter

Eine neue, herrschaftliche Heimat für die Börse
Im März 1870 stellte Kaiser Franz Joseph den Bauplatz am Schottenring zur Verfügung. Das hatte zur Folge, dass alle größeren Banken in der Nähe Gründe erwarben. Ursprünglich stand Heinrich Ferstel als architektonischer Berater der Börsekammer zur Seite. Eine logische Wahl, hatte er doch auch schon das Bank- und Börsegebäudes in der Herrengasse konzipiert und usste über die Bedürfnisse dieser Institution Bescheid. Aber auch Theophil Hansen, der „Parlamentsarchitekt“, wurde um einen Entwurf ersucht. Ferstel war über diese Konkurrenz nicht besonders glücklich. Auch nicht darüber, dass ein anderer die Lorbeeren basierend auf seiner Vorarbeiten ernten sollte. Seine Beschwerden ignorierend, setzte die Börsekammer ein Baukomitée ein, das Hansens Pläne favorisierte.
Eine kurze Partnerschaft
Obwohl die Börsekammer Hansens Plan bereits zugestimmt hatte und zur Finanzierung eine Anleihe aufgelegt worden war, wurde ein weiterer Wettbewerb mit beschränkter Konkurrenz ausgeschrieben. Wiederum siegte das Projekt von Hansen, aber auch ein zweiter Entwurf von Karl Tietz. Beide Architekten wurden mit der Ausführung betraut. Die Zusammenarbeit funktionierte jedoch nur solange, bis Tietz Anfang 1872 geisteskrank wurde und unter Kuratel gestellt werden usste. Hansen kehrte zu seinen ursprünglichen Plänen zurück und vollendete den Bau alleine.
Das Problemkind Börse
Schwierigkeiten begleiteten den Bau von Anfang an.
Nicht nur, dass gewagte Spekulationen in Erwartung der Weltausstellung am 8. Mai 1873 einen Börsenkrach auslösten, der eine schwere Rezession zur Folge hatte. Die exquisite Innenausstattung, Hansens Liebe zum Detail und verspätete Materiallieferungen verzögerten die Fertigstellung immer wieder. Das Baukomitee ordnete wiederholt Einsparungen an und beschloß, den Ausbau des ersten Stocks auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Ausserdem machten sie Hansen persönlich für den Verzug haftbar. Zu allem Überfluß kam es auch noch zu Problemen mit der Heizung. Die stucküberzogenen Wände verloren durch die Feuchtigkeit den Glanz und die Malerei bröckelte teilweise ab.
Ein repräsentativer Prachtbau
Nur Hansens Beharrlichkeit sowie dem Umstand, dass er einen Teil der Baukosten selbst trug, ist es zu verdanken, dass er seine Pläne realisieren konnte.
Die Fassaden gliederte Hansen vertikal wenig zurückhaltend mit Risaliten, wie sie bei der Wende zum Neobarock beliebt wurden und einer Betonung der Mittelachse durch einen mächtigen Portalbau. Der Eingangsbereich wird über die gesamte Höhe der rot vertäfelten Fassade von zwei steinernen Säulenreihen gestützt. Einer ionischen im Parterre und einer korinthischen in der Belle Etage. Im Gesamteindruck wirkt das Gebäude durch die kontrastreiche Gliederung mit hellen Friesen und die auffällige rote Farbe zwar prunkvoll, aber deswegen nicht weniger elegant.
1877 zog das aufstrebende Bürgertum mit seiner Börse in den ziegelroten Neorenaissance-Bau am Ring ein und am 12. März nahm die Börse endlich den Betrieb auf. Bereits zwei Tage später besuchte der Kaiser das festlich geschmückte Haus.
Theater – Variété – Musicalbühne. Eine bewegte Geschichte
Gerade wird das Etablissement Ronacher mitten im Herzen Wiens zur zweiten Spielstätte der großen Musicals der Vereinigten Bühnen Wien ausgebaut. Um den Anforderungen moderner Musicalproduktionen gerecht zu werden, muss es bis 2OO8 grundlegend modernisiert werden. » weiter

Das ursprünglich Wiener Stadttheater
Das Etablissement Ronacher, gelegen zwischen Himmelpfortgasse, Seilerstätte und Schellinggasse, wurde als Wiener Stadttheater ab 1871-1872 von dem Architekten Ferdinand Fellner d. J. gemeinsam mit seinem Vater erbaut. Auftraggeber waren der Journalist Max Friedländer und der Theaterautor und –leiter Heinrich Laube. Die beiden wollten ein bürgerliches Theater errichteten, das – ohne Zensur – die kaiserlichen Hoftheatern nicht nur ergänzen, sondern ihnen Konkurrenz machen sollte.
Eröffnet wurde das Haus am 15. September 1872 mit Schillers Demetrius. Zwölf Jahre nach der Eröffnung brannte das Wiener Stadttheater am 16. Mai 1884 innen völlig aus. Und an einen Wiederaufbau als Schauspielhaus war aufgrund der neuen Brandschutzbestimmungen nicht mehr zu denken, da das Gebäude auf zwei Seiten direkt an die nebenstehenden Gebäude schließt.
Das Varieté Ronacher
1886 kaufte Anton Ronacher die Brandruine und ließ wiederum von Ferdinand Fellner d. J., der inzwischen das Büro Fellner & Helmer gegründet hatte, darauf ein Concert- und Ballhaus errichten. Das neue Etablissement Ronacher war nun kein Schauspielhaus mehr, sondern ein mit Tischen und Stühlen ausgestattetes Varietetheater. Während der Vorstellung durfte getrunken, gegessen und geraucht werden. Dem neuen Varietétheater war zusätzlich ein großer Ballsaal und ein Hotel angeschlossen. Daneben setzte das Büro Fellner & Helmer bereits elektrisches Licht ein und fügte eine Promenaden sowie einen Wintergarten hinzu. Ab 1890 traten öfter Artisten auf, was vermehrt die Bürger Wiens anlockte und die Aristokratie vertrieb. Später wurde das Programm durch Revuen, Operetten, Tanz- und Gesangsvorführungen ergänzt. Das Haus wurde dabei mehrmals und immer durch das Architektenduo Fellner und Helmer umgebaut und den Bedürfnissen des modernen Varietébetriebs angepasst. Einer der Höhepunkte war der Auftritt von Josephine Baker Im Jahr 1932. Mit dem Ende der goldenen Ära war aber auch das Ende des Varietes gekommen. Durch die schlechte Wirtschaftslage musste Ronacher das Haus aufgeben.
Wechselnde Mieter und Funktionen
Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Ronacher bis 1955 Ausweichbühne für das durch Bomben beschädigte Burgtheater, anschließend traten wieder Varieté-Künstler auf. 196O wurde das Etablissement Ronacher endgültig geschlossen und der ORF übernahm das Haus als Studio- und Bühnenraum – bis 1976. Danach blieb es 10 Jahre völlig ungenützt, bevor 1986 erstmals wieder die Aufführung einer Operette erfolgte. 1987 kauften die Vereinigten Bühnen Wien das Haus und führten das Musical Cats und zwei Opern auf. Seit 1993 wurde das RONACHER zum Teil verpachtet und diente während der Renovierung des THEATER AN DER WIEN als dessen Ersatzbühne. 2003 und 2004 war das Ronacher Gastgeber der Nestroy-Verleihungsgala.
Die Geschichte eines Gebäudes zwischen Historismus und Jugendstil
Heute finden die Wiener mit ihrem Konzerthaus eine Vision erfüllt, die bereits Ende des 19.Jahrhunderts Gestalt annahm. 1890 träumte man in Wien nicht nur von einem zukünftigen Haus für Musikfeste, sondern eher von einem Mehrzweckbau mit angeschlossener Sportarena, der breite Bevölkerungsschichten ansprechen sollte –anders als der fast vis a vis gelegene traditionsreiche Wiener Musikverein. Der Plan zerschlug sich zwar vorerst, die Vision aber lebte fort. » weiter

Das neue Haus setzt Maßstäbe
Als das Wiener Konzerthaus 1911 schließlich doch von den Spezialisten im europäischen Theaterbau, dem Büro Fellner & Helmer, in Zusammenarbeit mit Ludwig Baumann errichtet wurde, setzte es neue Maßstäbe hinsichtlich Architektur, Besucherfreundlichkeit, Bau- und Haustechnik. Bei seiner Eröffnung nach nur zweijähriger Bauzeit im Jahre 1913 gehörte es zu den modernsten Großbauten der Donaumonarchie. Dank der hohen künstlerischen und architektonischen Qualität des Baus gab es im Lauf der Jahre nur wenige Umbauten. Und selbst diese wurden 1972-1975 nach nur leicht veränderten Originalplänen rückgängig gemacht.
Platz für viele und vieles
Die Großzügigkeit und Bequemlichkeit der Anlage begeisterten als absolutes Novum Publikum und Kritiker gleichermaßen. Die Foyerbereiche und Stiegenhäuser ermöglichten den ungehinderten Zu- und Abstrom von etwa 4.000 Personen; die drei Säle konnten entweder parallel und akustisch völlig störungsfrei bespielt oder auch gemeinsam für eine Veranstaltung genutzt werden. Akustik und Atmosphäre waren für fast jede kultureller Veranstaltung ideal; die Gastronomie mit Buffets, einem Kaffeehaus und drei Restaurants entsprach allen gesellschaftlichen Ansprüchen eines modernen Konzertbetriebs.
Das ganz eigene Gesicht des Konzerthauses
Hinsichtlich seiner Gestaltung ist das Wiener Konzerthaus eine Rarität. In ihm verschmelzen Elemente des späten Historismus und des Jugendstils zu einem Ensemble ganz eigener Prägung. Eine Stätte für die Pflege edler Musik, ein Sammelpunkt künstlerischer Bestrebungen, ein Haus für die Musik und ein Haus für Wien. So lautet das Motto des Konzerthauses bis heute. Der Schriftzug auf der Fassade rät außerdem: Ehrt eure deutschen Meister, dann bannt ihr gute Geister. Ein Zitat aus dem Finale von Wagners Meistersingern. Gemeint sind dabei jene, die sich der Meisterschaft sowohl in den schönen Künsten als auch im Handwerk verschreiben.
Am 19. Oktober 1913 wurde das Konzerthaus in Anwesenheit des Kaisers mit einem Festkonzert eröffnet. Auf dem Programm standen das von Richard Strauss speziell für diesen Anlass komponierte Festliche Präludium op. 61 und Beethovens 9. Sinfonie - das Nebeneinander von Tradition und Moderne sollte so schon im ersten Konzert deutlich werden.
The Show Must Go On
Auch während den folgenden Jahren des Zerfalls Österreich-Ungarns zeichnete sich das Konzerthaus durch ein enorm vielseitiges Repertoire aus. Neben wichtigen Uraufführungen moderner klassischer Musik gab man auch Konzerte mit Jazz und Schlagern, wissenschaftliche Vorträge und Dichterlesungen. Auf dem sportlichen Programm standen Tanz- und Ballveranstaltungen, Weltmeisterschaften für Boxen und Fechten. Während der nationalsozialistischen Herrschaft verarmte das Programm allerdings zum „nicht-entarteten Unterhaltungsbetrieb“.
Nach 1945 kehrte man jedoch wieder zur „bunten“ Programmgestaltung zurück:. Neben dem Standardrepertoire der Klassik und Romantik und dem Wiener Walzer gab es weiterhin Uraufführungen sowie internationalen Jazz und Popkonzerte.
Heute ist das Konzerthaus die Hauptspielstätte der Wiener Symphoniker, des Wiener Kammerorchesters und des Klangforums Wien. Bereits seit 1913 hat auch die Wiener Singakademie im Konzerthaus ihre permanente Heimstätte. Zu hören sind aber auch internationale Orchester, Solisten und Kammermusikensembles. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Veranstaltungen, z.B. den Bonbon-Ball, aber auch Konzerte aus den Bereichen Jazz und World Music. Von 1989 bis 2002 fand im Konzerthaus außerdem der Wiener Kathreintanz statt.
Noch mehr Platz für die Wiener
Während einer Generalsanierung des Hauses (1998-2001) unter dem Architekten Hans Puchhammer wurde die historische Bausubstanz teils rekonstruiert, teils renoviert, und das Gebäude wurde mit modernster Technik sowie einem vierten Konzertsaal (dem «Neuen Saal») ausgestattet. Somit verfügt das im Grundriss etwa 70 mal 40 Meter große Konzerthaus heute über vier Konzertsäle:
Großer Saal mit 1865 Plätzen
Mozart-Saal mit 704 Plätzen
Schubert-Saal mit 366 Plätzen
Der Neue Saal mit ca. 400 Plätzen)
Die angeschlossene Sportarena beherbergt heute den Wiener Eislaufverein.
Das erste Haus an der Ringstraße
Die Wiener Staatsoper besitzt inzwischen eine fast legendäre Stammkundschaft für die Stehplatzkarten, die direkt vor den Aufführungen günstige zu erwerben sind. Sie gilt als gnadenlos, denn sie drückt ihr Missfallen besonders laut und unmissverständlich aus -- aber sie jubelt auch am lautesten nach gelungenen Aufführungen. » weiter

Das Gebäude wurde als erstes der aus dem Wiener Stadterweiterungsfond bestrittenes Monumentalgebäude der Ringstraße im Jahr 1860 ausgeschrieben. Bereits Ende 1861 begannen die auch privat miteinander verbundenen Architekten August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll ihre Plänen zu verwirklichen – ein monumentales Gebäude im Stil der Neorenaissance.
Nur Spott für das k.k. Hofoper
Das Gebäude wurde jedoch von der Öffentlichkeit nicht sehr geschätzt. Einerseits konnte es gegenüber dem riesigen Heinrichshof, errichtet von Theophil Hansen, seine monumentale Wirkung nicht richtig entfalten. Andererseits wurde das Ringstraßenniveau vor der Oper nach Baubeginn um einen Meter gehoben wurde. Die Bevölkerung verspottete die Oper als „versunkene Kiste“ und – in Analogie zum militärischen Untergang von 1866 – „Königgrätz der Baukunst“. Auch das hemmungslose Mischen unterschiedlicher Baustile wurde den Architekten vorgeworfen. Die Kritik trieb van der Nüll schließlich in den Freitod. Knappe 10 Wochen später erlag Sicardsburg einem Herzinfarkt; somit erlebte keiner der beiden Architekten die Fertigstellung 1869.
Späte Würdigung der Architekten durch Wiederaufbau
Am 15. Mai 1869 wurde die „k.k. Hofoper“ mit Don Giovanni von Mozart eröffnet. Erst 1920 erfolgte die Umbenennung in „Staatsoper“. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, am 12. März 1945, geriet die Oper nach amerikanischen Bombardements in Brand. Lange Zeit gab es Diskussionen, ob die Oper wieder im ursprünglichen Zustand aufgebaut werden sollte oder an selber Stelle oder einem ganz anderen Ort neu aufgebaut werden sollte. Der Geschmack hatte sich inzwischen verändert und so entschied man sich für einen Wiederaufbau. Aber auch die Sowjets zeigten großes Interesse am Wiederaufbau der Oper und spendeten Baumaterial. Was das Innere betrifft, reichten die eingereichten Vorschläge von einer völligen Neugestaltung des Zuschauerraums bis zu einer Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands. 1946 – 1955 wurde die Staatsoper wieder aufgebaut. Die Fassade sowie die Eingangshalle und darüber das so genannte Schwindfoyer waren von Bombentreffern verschont worden und blieben im ursprünglichen Stil des Historismus erhalten. Für den Zuschauerraum wurde, auch nach Anregung von Arturo Toscanini – vor allem Holz verwendet, um eine gute Akustik zu erreichen. Außerdem wurden im Parterre die Sitzplätze reduziert.
Am 5. November 1955, also nach dem Staatsvertrag, konnte die Staatsoper, diesmal mit Fidelio von Ludwig van Beethoven unter der Leitung von Karl Böhm neu eröffnet werden. Auch der ORF nutzte die Eröffnung für eine seiner ersten Live-Übertragungen zu einer Zeit, in der es erst ca. 800 Fernseher in ganz Österreich gab.
Ein Opernhaus mit Weltgeltung
Die Wiener Staatsoper ist heute das "Erste Haus am Ring", magischer Anziehungspunkt für jeden Wien-Touristen und eines der bekanntesten Opernhäuser der Welt. Aus den Mitgliedern des Staatsopernorchesters rekrutieren sich auch die Wiener Philharmoniker.




