

Die Bedeutung der Ringstrasse für die Wiener heute
Karl Kraus ließ in seinen „Letzten Tagen der Menschheit“ seine Personen gerne an der – übrigens nie existierenden – Sirk-Ecke stehen bleiben und die Ereignisse im Schatten des 1. Weltkrieges diskutieren. Hans Makart sollte für den Kaiser Franz Joseph einen gewaltigen inszenierten Ring-Umzug schaffen, ein Gesamtkunstwerk, das in seiner geplanten Form nie realisiert wurde.

Sportfans machten vor Zeiten schon den immer wieder neu auftauchenden Vorschlag, aus dem Ring eine Formel 1 Strecke zu gestalten und einen WM-Lauf zu veranstalten. Der Ring war und ist stets Projektionsfläche für ungewöhnliche Ideen. Und beruht seit jeher auf Ketten von Missverständnissen.
Heute ist der Ring der international bekannteste Boulevard Wiens, gesäumt von jenen repräsentativen Gebäuden des Historismus, die auch ein Spiegelbild der Wandlung Wiens von einer feudalistisch geprägten Adelsstadt zu einer modernen Industrie- und Dienstleistungsstadt darstellen.
Kein Boulevard Europas versammelt derart viele wesentliche staatliche und kulturelle Einrichtungen auf engstem Raum wie der Ring: Parlament und Wiener Rathaus sowie Ministerien und das Gebäude der Wiener Wirtschaftskammer als institutionelle Häuser einerseits, Universität und Hochschule für angewandte und bildende Kunst, Staatsoper, Burgtheater, Museum für angewandte und bildende Kunst, Kunst- und Naturhistorisches Museum als kulturelle Einrichtungen und schließlich noch Banken und andere Finanzdienstleister sowie international tätige Großunternehmen, NGOs sowie Interessensvereinigungen.
Gleichzeitig ist der Ring Tor zu den größten und schönsten Gärten und Parkanlagen der Innenstadt, Tor zur Hofburg und zum Bundeskanzleramt und anderen Regierungsgebäuden, Schnittstelle des repräsentativen gesellschaftlichen Lebens und Ansammlung der größten Luxushotels in Wien.
Die EM-Fan-Zone 2008
Im Jahre 2008 wird der Ring vorübergehend für den öffentlichen und privaten Verkehr gesperrt werden. Hier wird die offizielle Fan-Zone für die EM 2008 eingerichtet, dem größten Medienereignis der 2. Republik. Hunderttausende Fußballfans werden sich hier zum Public Viewing und Public Entertainment einfinden und die zwei Wochen dauernden Fußballeuropameisterschaften begleiten, deren Finale am 27. Juni 2008 im Ernst Happel-Stadion im Prater stattfindet.
Experten schätzen den Gesamtwert der Immobilien, die sich entlang des Wiener Ring-Boulevards befinden auf 120 Milliarden Euro, eine fiktive Summe natürlich, die lediglich veranschaulichen soll, welch architektonische Ideen, kunsthistorische sowie marktrelevante Werte sich hier versammeln.
Ein Boulevard der WienerInnen
Der Ring ist Straße mit Individualverkehr, inklusive Fahrradweg und Fußgängerpromenade, und öffentlichem Nahverkehr zugleich Mit einer täglichen Fahrzeugfrequenz von 280.000 und damit vergleichbar mit europäischen Boulevards wie der Champs-Élysées. Er ist auch einzigartig für europäische Metropolen, da er zu zwei Drittel geschlossenes Ensemble auf engstem Radius aufweist, kaum durchbrochen durch zeitgenössische Gebäude oder Bauten aus dem 20. Jahrhundert.
Der „Ring“, wie er von den Österreichern genannt wird, ist Wahrzeichen der Stadt und des Staates und gewissermaßen auch öffentliche Repräsentationsfläche: mit dem Parlament als Inkarnation der österreichischen Demokratie im Zentrum.